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Wie politisch sollte Sport sein?

26. Mai 2026

Wie politisch sollte Sport sein?

AWO, Sport
Blogbeitrag

Wir haben mit unserer Doppelspitze über Themen rund um Fußball und die WM gesprochen. Spoiler: Anders als sonst sind sie sich nicht immer einig.


AWO und Fußball – was hat das eigentlich miteinander zu tun?

Nicole: Beide bringen Menschen zusammen. Egal wie alt sie sind, welches Geschlecht sie haben, wo sie geboren sind. Wir sind alle ein Team. Das ist das Schöne an der AWO und am Fußball.

Stefan: Was viele nicht wissen: Die AWO ist der größte Träger von Fanprojekten in Deutschland. Unsere Sozialpädagog*innen leisten im und neben dem Stadion großartige Arbeit. Sie begleiten und beraten junge Fußballfans, beugen Diskriminierung und Gewalt vor und bringen die Fansicht in gesellschaftliche Diskussionen ein.


Die Fußball-WM beginnt in wenigen Tagen. Angesichts der politischen Lage in den USA, aber auch von Bandenkriegen in Mexiko gab es Forderungen nach einem Boykott. Wie steht Ihr dazu?

Stefan: Fußball begeistert weltweit die Menschen, auch in schwierigen Zeiten. Die USA bestehen ja nicht nur aus Trump und seiner Politik, sondern auch aus Millionen von US-Bürger*innen, die sich für Demokratie, Teilhabe, Diversität und unsere Werte einsetzen. Insofern bin ich tatsächlich gegen einen Boykott, so sehr man die FIFA als Institution und den Funktionärsfußball kritisieren muss.

Nicole: Sicherheit geht vor! Wenn Mexico und die USA ihre Kriminalität nicht in den Griff bekommen, soll man überlegen, die WM komplett in Kanada stattfinden zu lassen.


Ganz grundsätzlich: Wie politisch sollte Sport sein? Dazu gab es ja wiederholt Diskussionen, z.B. über Menschenrechtsverletzungen in Katar, umstrittene Sponsoringverträge oder die Frage, ob Mannschaften mit Regenbogenarmbinden ein Statement setzen dürfen.

Stefan: Natürlich muss auch Sport politisch sein. Er muss sich einsetzen, seine Stimme erheben und auch seine Macht ausüben – im positiven Sinne. Die Kernfrage ist, wie man ein latent korruptes System von Funktionären, von Gremien und Entscheidungsträgern beseitigen kann.

Nicole: Sport soll eigentlich ein Mittel sein, um die Menschen fernab der alltäglichen Probleme zusammen zu bringen, unabhängig von Herkunft und kulturellen Unterschieden. Es sollten Werte wie Teamgeist, Fairplay, Rücksicht, Toleranz usw. eine Rolle spielen. Ich finde, im Sport hat Politik nichts verloren. Sie soll allerdings die Rahmenbedingungen schaffen, damit die Austragung von sportlichen Wettkämpfen gefahrlos vonstatten gehen kann.


Am modernen Fußball gibt es zunehmend Kritik. Es werden Millionengehälter gezahlt, TV-Rechte an immer mehr Anbieter vergeben, Ticketpreise steigen an. Was ist Eure Meinung dazu?

Nicole: Das ist ein zweischneidiges Schwert! Einerseits trägt die Kommerzialisierung zu einer Professionalisierung des Sports bei, bedingt durch gute Trainer, gutes medizinisches Personal, gute Ausbildungsstätten und gute Nachwuchsarbeit. All das bedeutet besseren Fußball und ein schöneres Zuschauererlebnis. Andererseits kann sich jemand mit einem durchschnittlichen Einkommen kaum noch den Besuch im Stadion leisten. Und das bei einem Sport, der früher einmal für die Massen war. Investoren sichern sich mehr und mehr Einfluss, wobei es ihnen weniger um den Sport als vielmehr um den wirtschaftlichen Erfolg geht.

Stefan: Die Spirale der Millionengehälter kann sich ja nicht unendlich nach oben drehen. Auch aus den großen „reichen“ Vereinen gab es hier ja zuletzt durchaus kritische Stimmen aufgrund der Finanzierbarkeit oder hoher Schulden. Auch die Bundesliga ist ja nicht homogen, sondern wenige Vereine bestimmen die Liga. Sportlich wie finanziell. Auf der anderen Seite ist der Fußball ein riesiger Breitensport im Land. Dieser große Unterschied muss aufgelöst werden. Mit mehr Geld nach unten.


Abseits von aller Kritik: Worauf freut Ihr Euch bei der Fußball-WM am meisten?

Stefan: Natürlich auf gute und faire Spiele, ich habe mich vergeblich um Karten bemüht, da mein Sohn aktuell in den USA auch studiert. Letztendlich bleibt mir der Fernseher oder ein gemeinsames Public Viewing mit Freunden und Familie.

Nicole: Auf die im Fernsehen übertragenen Spiele. Ich kann auch nicht vor Ort dabei sein.


Was ist Euer Tipp? Wer wird Weltmeister?

Stefan: Aufbauend auf die alten Fußball- Weisheiten: Das Runde muss in das Eckige und ein Spiel dauert 90 Minuten – natürlich Deutschland.

Nicole: Nicht Deutschland. Leider! Bei 48 Teams kann viel passieren, aber ich lege mich mal fest und sage Frankreich.